Reisebericht 2

 

 

17.5./ 15:00 Uhr/ Istanbul/ Start

Tipp: Wer mal in Istanbul unterwegs ist, der muss unbedingt Lokma essen! Eine Süßspeise, bei der runde Teigstücke frittiert und nach eigener Wahl gefüllt und dekoriert werden. Z.B. Füllung mit weißer Schokolade, Vollmilchschokolade und Smarties als Soße drüber. Eine Kalorienbombe, schmeckt aber RICHTIG gut!

Wir wurden für den offiziellen Start in Istanbul mit einer Polizeieskorte vom Parkdeck der TRT Studios zum Sultanahmed Platz geleitet. Ein Abenteuer, da es unmöglich ist mit ca. 68 Autos geschlossen durch eine Stadt zu fahren, in der Reindrängeln normal ist. Auf dem Platz vor der Blauen Moschee stellen sich alle Rallyeautos in einer Reihe auf. Bühne, Food-Truck und Startbogen sind schon aufgestellt, das Orga-Team ist in vollem Gange. Die offiziellen Partner und Unterstützer (Unesco, Tüv Türk, türkischer Fußballverein usw.) halten Reden, außerdem auch der stellvertretende türkische Außenminister, welcher letztes Jahr noch selbst mitfuhr. Dann geht’s weiter mit unserer Musik-Challenge – wir mussten in den letzten 3 Tagen jeder ein Musikinstrument erlernen und auf der Bühne „Bruder Jakob“ zum Besten geben. Wir haben das wohl besser gemacht als die Gruppe letztes Jahr – die Zuschauer haben sich diesmal nicht die Ohren zugehalten. Dann gings los, wieder Polizeieskorte durch Istanbul und aus der Stadt raus. Unsere beiden Fahrzeuge haben sich im Stadtverkehr verloren, bei Newton ging der Tank bis auf einen halben Liter leer, Funkgeräte waren außer Reichweite… nach einiger Zeit haben wir uns zum Glück wieder gefunden.

17.5./21:30/ Irgendwo in der Pampa/ Türkei

Wir haben von der Rallyeleitung die Streckenbeschreibung zum nächsten Punkt auf türkisch bekommen. Hannah im vorderen Fahrzeug gibt alles, um uns auf erlaubten Wegen ans Ziel zu bringen (Ihr wisst ja, kein Navi und Autobahn). Wir fahren im Dunkeln durch Fischerdörfchen, schließen uns einem Fanbus-Konvoi mit Polizeieskorte an und finden auf der Suche nach unserem Camp eine wunderschöne kleine Bucht mit Campinganlage. Da wir das im Wald versteckte, eigentliche Ziel nicht auf Anhieb finden, fragen uns die einheimischen Besitzer, wie sie uns helfen können und erklären uns den Weg. Wir machen ein Erinnerungsild mit dem Besitzer und bedanken uns mit einer Packung Nudeln unseres Sponsors Tress für seine Hilfe bei der Wegfindung und ein angenehm lustiges Gespräch mit Händen und Füßen. Unser Fahrerlager finden wir schließlich etwas höher gelegen an einem aufgeschütteten Hang mit Blick auf Wald und Meer. Manche lassen den Abend in der Skihütte ausklingen, andere hauen sich gleich aufs Ohr.

18.5./ Essen/ Le Mans Rennen

Heute geht’s im Konvoi mit Polizeieskorte nach Eregli, wo wir erneut mit großem Interesse und Gastfreundschaft empfangen werden. Danach geht’s im Konvoi weiter nach Kandilli Belediyesi, wo unser organisiertes Mittagessen und eine Besichtigung leider ins Wasser fallen. Stattdessen gibt’s türkischen Tee und frisch gebackenes Brot (3 Brote kosten 10 Lira – durch 7 geteilt sind dann 1,43 Euro!). In Kandilli Belediyesi gibt es einen versteckten Militärhafen, den die deutschen und italienischen Soldaten dort im zweiten Weltkrieg gebaut haben. Auf unserem weiteren Weg zum Tagesendziel Ankara schließen wir uns Ahmed vom Orgateam an, der uns zu einem unglaublich leckeren Abendessen in Mengen einlädt. In diese Gegend reisen viele Köche an, um sich weiterzubilden oder ausgebildet zu werden – Sämtliche Lebensmittel kommen aus der Gegend und den Bergen. Wir alle haben noch nie so cremige Suppe, Joghurt und Pudding gegessen. Danach gibt’s gegen das Fresskoma einen türkischen Kaffee, der einen krassen (aber guten!) Eigengeschmack hat und richtig wach macht. An einer Raststätte treffen wir auf das Mobiliz-Team, deren Filmcrew Interviews mit uns macht. Dann geht’s weiter nach Ankara zum Hipodrom (ehm. Flugplatz), auf dem das legendäre Le Mans Rennen der Europa-Orient-Rallye stattfindet!

Wir kommen nach türkischer Pünktlichkeit gerade noch rechtzeitig und starten dadurch beim Rennen an der vordersten Ecke 😉.                                                                                                                

Das ganze geht so: Alle Fahrzeuge stehen nebeneinander in einer Reihe. Motoren sind aus, Türen zu, der Schlüssel liegt etwa 5m HINTER jedem Auto auf dem Boden. Entlang einer Linie etwa 30m entfernt VOR den Fahrzeugen stellen sich die Rennfahrer auf ­ – ­auf los geht’s los! Im Sprint am Fahrzeug vorbei zum Schlüssel, schnell aufheben, hoffen dass die Passattür mal nicht klemmt, reinspringen, starten, LOS!!! Auf abgesteckter Strecke zwei Runden mit Geraden, langgezogenen Kurven, Schikanen und der Bitte der Orga, im Gegensatz zum letzten Jahr alle Fahrzeuge auf vier Rädern zu lassen.  Für den Rallyestall startet mit Heckantrieb, 150PS und Reihensechser Racemaster Thomas. Im blauen, überladenen und untermotorisierten Passat tritt Julia mit Syncro Newton an. Beide leider erst vollgetankt, dennoch gehen wir voller Ehrgeiz an die Startlinie. Thomas legt einen tadellosen Start hin und fährt nach sportlichem Sprint direkt vornweg. Ein paar Meter dahinter die drei Wüstenstrolche mit ihren 236PS starken Mercedes E-Klassen. Er kann einen 5er BMW außen überholen, muss in der Schikane kurz sein Heck einfangen und fährt aber auf den langen Kurven einfach weg. Nicht aufzuholen! Julia hat im ersten Kurveneingang einen leichten und kurzen Fremdkontakt, bleibt aber im vorderen Drittel. Vor allem in der Schikane zieht der Syncro super durch. Für den Rest fehlt etwas die Leistung, doch zur Überraschung blieb das meiste Gepäck da, wo wir es im Kofferraum auch gestapelt haben 😉.  Esslingen holt mit Racemaster Thomas den Sieg nach Hause und wird von seinen Konkurrenten sowie Zuschauern gefeiert. Ein Siegerfoto der drei ersten auf Ihren Rennmaschinen darf dabei nicht fehlen. Rauchende Motorräume, diverse kaputte Lichter, Schrammen und leichte Auffahrspuren sind bei einigen Teams zu verzeichnen, bei uns nicht.

Die Motorradrunde wird getrennt ausgetragen – 5 Mopeds kämpfen um den ersten Platz. Schließlich holt sich die Karawane Oberpfalz den Sieg. Keiner steigt ab, trotz total verdreckter Schikane! Aber wer 7000km durch Wind und Wetter fährt, der kennt sein Moped! Hier besonderen Respekt an Birgit vom Team Simply the Best, die bisher über die ganze Rallye sehr gute Kontrolle über Ihr Moped zum Besten gibt.

Nach dem Rennen geht’s wieder mit Polizeieskorte durch Ankara zum Schlafplatz auf dem Europa Air Park(?). Das ist ein wnderschönes Grundstück mit Holzhütten, Tieren und Pflanzen aus unserer Heimat Mitteleuropa 😊 Dort machen wir uns noch Nudeln, später stört uns nur noch der Rasensprenkler, der nachts plötzlich loslegt und unser Auto auf der rechten Seite sauber macht.

19.5./ Ankara/ Samsun

Fzg 1 Fahrer: Julia, Navi-gatoah: Johannes, der mit Sonnenstand und Karte nach Samsun führt.

Fzg 2 Fahrer: Thomas, Unterhaltung/ Überblick/ Versorgung: Hannah

Wir werden erst zur Europäischen Botschaft eskortiert, von wo aus die Etappe nach Samsun startet.  Den ganzen Tag über fahren wir über Schnellstraßen Richtung Nordosten und Schwarzes Meer. Unterwegs merken wir, dass Newton wieder unruhiger wird und gefühlt vorne links zu eiern anfängt. Da wir mit über 100km/h unterwegs sind und keine Lust auf Zwischenfälle haben,  wechseln wir das vom Le Mans Rennen mitgenommene vordere linke Rad (2. von 3). Das Fahrverhalten bessert sich nicht, im Gegenteil, durch die verschiedenen Profile und Reifen links und rechts wird das Fahren unangenehmer. Aber wir befolgen die Regel: alle Räder fest, Luft drin  à weiterfahren. Nach ein paar Kilometer meldet Thomas von hinten über den Funk, dass unser Rad hinten rechts sichtbar eiert. Also wieder den ganzen Kofferraum leeren und ans nächste Ersatzrad (3. von 3). So langsam sind wir richtig schnell im Kofferraum aus- und einräumen. Das Fahrverhalten bessert sich. Trotzdem macht sich ein leises Differentialsummen und leichtes Spiel im Antrieb bemerkbar. Die Kupplung hat ihren Druckpunkt immer später. Solange es dabei bleibt passt aber alles. Andere haben mehr Probleme durch defekte Turbolader und Getriebeprobleme nach den Strapazen des Le Mans Rennens.

Wir kommen nachmittags gegen 16 Uhr in der schönen Küstenstadt Samsun an und müssen laut Roadbook  in weißer (Unter)Wäsche mit unserem Zwerg Hermann ein Bild im Schwarzen Meer machen. Endlich am Strand angekommen zieht jeder irgendetwas weißes und die am Start genähte Zwergenmütze an. Mit unserem Zwerg geht’s dann ab ins kalte Wasser! Wir baden im Meer, nutzen die Gelegenheit zur Salzwasserdusche. Danach MÜSSEN wir unbedingt zeigen, dass wir Syncro (Allradantrieb) fahren! Nach dem Motto: Wir fahren nicht nur an den Strand, wir fahren ans Meer😊. Mit Schwung fährt unser Captain über den Strand, Julia hält sich eifrig auf dem Dach fest. Von der Syncroumgrabaktion sind die Wüstenstrolche beflügelt und versuchen mit ihrer W210er E-Klasse auch ans Meer zu kommen. Leider nicht so erfolgreich – das restliche Team setzt sich mit Bierchen an den Strand und schaut zu, wie die beiden Fahrer des Wagens mit NATO- Landeblechen (zum freifahren im Sand) wieder versuchen freizukommen. Später helfen die Jungs dann doch mit und die E-Klasse ist wieder draußen.

Schlafplatz ist für heute der Yachthafen mit tollem Ausblick auf Samsun bei Nacht.

20.5./ Samsun nach Rize/ Georgien (Oma im Kofferraum!)

Captain und Julia suchen sich morgens einen Reifenhändler, da das unterschiedliche Profil nicht klar geht. In der 2. Werkstatt finden wir für die Vorderachse neue Bridgestone Ecopia Reifen. Schnell noch einkaufen, dann zurück zum Hafen. Dort hat unser Racemaster inzwischen wieder ein Interview gegeben und ist einer seiner Taschen ins Hafenwasser gefolgt. Dabei hat er sich leider an den Fußsohlen geschnitten. Deshalb übernimmt Hannah das Steuer nach Rize. Wir fahren die Küste des Schwarzen Meers entlang und essen unterwegs das Nationalgericht Pide – sehr lecker! Die Fahrt geht weiter bis nach Rize, wo Schilder der Europa Orient Rallye den Weg zum Botanischen Garten weisen. In Rize wird sehr chaotisch und eng gefahren, der erste Gang schafft schließlich den sehr steilen Berg zum Garten. Dort dürfen wir den Tee der Eigenproduktion probieren und müssen schätzen, wieviele Teebeutel in einer uns geschenkten Packung sind. Wir fahren bis spät abends über die georgische Grenze bis nach Batumi. Die Stadt, in der Glücksspiel erlaubt ist, wird auch das Las Vegas des Ostens genannt und bei der Einfahrt in die Stadt wird einem der krasse Kontrast zwischen arm und reich klar. Die ganze Stadt scheint eine Baustelle, auf der Tag und Nacht gearbeitet wird, zu sein. Neben Limousinen aus denen teuer gekleidetet Player aussteigen gibt es viele Betrunkene und sehr viele Straßenhunde. Ein Parkplatz neben dem Hilton Hotel wird heute unser Fahrerlager. Achtung bei den meisten Kreisverkehren in Georgien – der Einfahrende hat Vorfahrt! Die Kontrollen bzw Strafen in Georgien sind streng, hier hat man besser keinen Unfall. Viele Teams arbeiten noch bis spät in die Nacht an der Optimierung ihrer Archen.

Die Orga gibt uns am Abend noch bekannt, dass es einige Herausforderungen bezüglich der Einreise in den Iran gibt und sie versucht, diese zu lösen.

21.5./Georgien

Am nächsten Morgen machen wir uns wieder an die Roadbookaufgaben und flanieren durch das schöne, im Aufbau befindende Batumi. Es gilt Riesenradgondeln zu zählen und die Nationalspeise zu probieren. Nachmittags gibt die Rallyeleitung bekannt, dass wir trotz großer Bemühungen leider nicht in den Iran einreisen dürfen. Ersatzroute wird geplant. Der Tag ist sehr heiß – etwa 36 Grad in der Sonne. Die Mittagshitze sitzen wir aus und nutzen die unerwartete Möglichkeit zum ausgiebig Wäsche und Geschirr waschen (nötig!). Danach geht’s in den georgischen Supermarkt, wo wir uns mit Händen und Füßen erkundigen, was da im Gefrierfach so rumliegt. Die Speisen sehen teilweise abenteuerlich aus. Wir suchen Zutaten zum Grillen, denn wir schleppen 10kg Grillkohle mit uns rum –  Zeit diese loszuwerden😊 Wir nutzen die Gelegenheit und laden drei andere Teams zum Grillen ein, nachdem wir zum „Duschen“ nochmal ins Schwarze Meer gehüpft sind. Mit Plane, 2 Grills, 2 Tischen und 2 Motorhauben als Ablage lassen wir den Abend ausklingen!

22.5./ Georgien/ Batumi nach Aliska/Akhaltsikhe

Für die Tagesfahrt nach Aliska bekommen wir 2 Routen zur Auswahl: eine harte lange und eine kurze softe. Da unser Racemaster gerne mit seinem Heckantrieb Offroad fahren möchte, nehmen wir uns die harte und lange Strecke vor. Die Route führt aus Batumi raus und in den Wald, wo sich tolle Strecken und wunderschöne Landschaften zeigen. Ab und zu laufen freie Kühe oder Pferde über den Weg und die Schlaglöcher werden immer häufiger und tiefer. Thomas fährt im Führungsfahrzeug und Julia sitzt im Passat am Steuer. Nach etwa 2h verlassen wir den Asphalt und die Straße wird zum steinigen Matschweg. Dazu verfolgt uns der Regen wieder, d.h. wir sehen den Pfützen die Tiefe nicht an. Das von der Firma Optimal gesponserte Fahrwerk vom E36 BMW „Ferdi“ zeigt sich überraschend komfortabel und dank Schlechtwege-Paket überraschend offroad-tauglich. Der Passat dagegen hat lange Federwege und kommt durch die Dachlast schnell ins Wanken und sehr stark ins Einfedern. Wir kämpfen uns über 40km lang (!) um sämtliche Schlaglöcher und versuchen dabei nicht zu langsam zu werden um nicht stecken zu bleiben. Am Anfang der Offroadstrecke treffen wir auf ein anderes Team, das gerade jetzt eine kaputte Zylinderkopfdichtung zu haben scheint und ihren 5er BMW über die Offroadstrecke abschleppen muss. Wir kommen bald in höhere Lagen und erreichen sogar die Schneegrenze. Wir sind sehr froh über den Unterfahrschutz. Wir wären ohne ihn vermutlich auch nicht mehr unter den Fahrenden. Wir essen oben in einer Gletscherhütte mit 6 einheimischen Arbeitern Eintopf. Der schmeckt mit dem Brot dort richtig gut und kostet umgerechnet für 4 Personen 5 Euro. Außerdem gibt es dort 2l Bierflaschen für umgerechnet 2,50€. Wir fahren weiter, es geht ins Gefälle. Wir kämpfen uns sogar durch einen kleinen Fluss, der über den Weg und dann den Abhang hinunter fließt. Im Wasser liegt nur Geröll – sogar Birgit mit ihrem Motorrad (BMW F650) hat die Route gepackt. Racemaster Thomas und Hannah nutzen den letzten Teil der Strecke, um ein paar Videotakes mit ihrem BMW zu machen und die nun bekannte Stecke sportlich zu genießen 😊, quer sieht man ja bekanntlich mehr.

Bei Sonnenuntergang treffen wir im Zielort Aliska ein und treffen alle Teilnehmer an einer Burg mit märchenhafter Aussicht. Als wir nach einem leckeren, georgischen Abendessen wieder zu unseren Autos auf dem Parkplatz vor der Burg zurück kommen, sind wir erstaunt, dass nur noch unsere Autos da sind. Wegen den günstigen Preisen haben sich einige Teams in Hotels eingemietet und ein paar sind zu einem Campingplatz gefahren. Wir bleiben aber an dem schönen, wenn auch kalten Ort und verbringen eine wunderbar ruhige Nacht.

Nächster Bericht folgt in ein paar Tagen.

Liebe Grüße vom Rallyeteam!